Ein Arbeitsleben für die Stadtwerke

Ein Arbeitsleben für die Stadtwerke: nach 48 ½ Jahren Berufstätigkeit wird Wolfgang Hermann in den Ruhestand verabschiedet

Am 1. April 1962 hatte Wolfgang Hermann seine Ausbildung bei den Stadtwerken begonnen. Seither hat er beim heimischen Energieversorger zahlreiche Stationen durchlaufen.

Nun wurde er nach 48 ½ Jahren Berufstätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. „Dass man sein Berufsleben auch in dem Betrieb beendet, in dem man es begonnen hat, zählt heute sicherlich zu den großen Ausnahmen“, kommentiert der Geschäftsführer der Stadtwerke Herborn, Jürgen Bepperling, anlässlich der Verabschiedung von Wolfgang Hermann nach mehr als 48 Dienstjahren. Ob allerdings die heute üblicherweise häufigeren Wechsel des Arbeitsplatzes auch sinnvoll sind, daran äußert Bepperling seine Zweifel: „Als kommunales Unternehmen mit enger Bindung an die Region setzen wir auch als Arbeitgeber beim Personal eher auf Kontinuität, als auf schnellen Wechsel. Nach unserer Erfahrung wird das von den Kunden auch sehr geschätzt.“ Das kann auch Wolfgang Hermann bestätigen, der bis 1971 in der Elektroabteilung der Stadtwerke tätig war, bis er dann als Ableser und Kassierer in der Vertragsabrechnung über viele Jahre im engen Kundenkontakt stand: „Einen festen Ansprechpartner zu haben, der für das Unternehmen und seine Werte steht, ist für viele Kunden auch heute noch ein wichtiges Argument, sich für den Versorger vor Ort zu entscheiden“, weiß Hermann zu berichten. „Dieses Dienstverhältnis mit den Kunden und die persönlichen Kontakte haben mich über all die Jahre sehr geprägt.“

Durch seine lange Dienstzeit hat Hermann viel von der Entwicklung der Stadtwerke und der modernen Energieversorgung mitbekommen und kann als Zeitzeuge mit so mancher Anekdote aufwarten. „Ich habe noch miterlebt, wie ein Mitarbeiter der Stadtwerke zweimal täglich von Gaslaterne zu Gaslaterne fuhr, um sie abends von Hand zu entzünden und morgens wieder zu löschen.“ Auch die Umstellung der Stromversorgung von 5.000 auf 20.000 Volt im Hochspannungs- und von 110 auf 220/ 380 Volt im Niederspannungsbereich oder die Eröffnung des ersten Wasserstollens „Grube Wohlfahrt“ im Jahr 1963 habe er noch mitbekommen. „Außerdem muss man sich vorstellen, damals gab es keine EDV. Alle Rechnungen, Mahnungen und der gesamte Schriftverkehr mit den Kunden wurde mit einer Schreibmaschine erledigt“, erzählt Hermann von längst vergangenen Zeiten.

Das einzige Mal wirklich verunsichert seien er und seine Kollegen beim Übergang der Stadtwerke vom Eigenbetrieb in die Gesellschaftsform der GmbH in den Jahren 1995/1996. „Damals wussten wir alle nicht, was uns erwartet. Heute ist klar: damals hat die moderne Zeitrechnung für die Stadtwerke begonnen. Das hat uns auch in der jüngeren Vergangenheit immer wieder vor große Herausforderungen gestellt.“ Neben der Elektro- und der Vertragsabrechnung hat der gelernte Elektriker während seiner Dienstzeit auch im Mahnwesen, in der Telefonzentrale und der Werkskasse gearbeitet. „Ich habe interessante Aufgaben gehabt und unglaublich viele Menschen kennen gelernt. Die Stadtwerke war stets ein guter Arbeitgeber“, bedankt sich Hermann bei Geschäftsführer Bepperling.

In seinem neuen Lebensabschnitt will er sich nun gemeinsam mit seiner Frau dem Reisen, Radfahren und Wandern widmen. Aber auch die Beschäftigung mit modernen Themen soll nicht zu kurz kommen: „Ich werde mir ein Laptop zulegen und lernen, mich im Internet zurechtzufinden, um mich dann näher mit der Ahnenforschung zu befassen“, schildert Hermann abschließend seine Pläne.