Jedem ein eigenes Kraftwerk im Keller

Stadtwerke testen BHKW für den Hausgebrauch

Die Stadtwerke in Herborn testen derzeit, wie sinnvoll kleine Blockheizkraftwerke für den Hausgebrauch sind. Seit Juli läuft mittlerweile der Praxistest. 

"Erdgasbetriebene Blockheizkraftwerke (BHKW) stellen eine interessante Option dar, wenn es um die Dezentralisierung der Energieversorgung geht, wie sie in modernen Versorgungskonzepten vorgesehen ist", sagt Jürgen Bepperling, Geschäftsführer der Stadtwerke Herborn.

Im Keller der Stadtwerke steht ein solches Gerät, das Heizwärme und Strom produziert. Herzstück ist ein erdgasbetriebener Viertakt-Zweizylinder-Industriemotor mit nur 500 Kubikzentimetern Hubraum. "Bei hoher Leistungsfähigkeit sehr klein dimensioniert", findet Bepperling. Dadurch sei das Kraftwerk gut in Privathaushalten oder Kleinunternehmen einsetzbar.

Im Testbetrieb liefert das BHKW zwölf Kilowattstunden thermische Leistung und bis zu vier Kilowattstunden elektrische Leistung pro Stunde. Dabei ist die elektrische Leistung - ähnlich wie bei den Modellen anderer Hersteller - regulierbar.

"Erfahrungsgemäß werden rund 15 bis 20 Prozent des Stroms für die Eigennutzung verbraucht, der Rest wird in das Stromnetz eingespeist.

"Zur Bedienung der Anlage muss man nicht mehr zu Hause sein. Schon jetzt kann man sie von fast überall über eine Internetverbindung regulieren, an- und ausschalten. Derzeit tüfteln die Planer daran, die Anlage auch per Smartphone steuern zu können.

Neben Solar sind Kleinkraftwerke weiterer Punkt im Energiekonzept der Stadt

Bepperling glaubt, dass sich derartige Anlagen sowohl für die Anwender als auch für die Stadtwerke rentieren können. Das Zwischenergebnis des Feldversuchs sei zufriedenstellend. "Die Technik arbeitet stabil und zuverlässig, und bisher sind im Dauerbetrieb keinerlei nennenswerte technische Probleme aufgetreten." Der Testbetrieb soll noch bis Juli 2013 laufen. "In der Anschaffung liegen die Kosten voraussichtlich über denen eines konventionellen Brennwertkessels. Allerdings ist das Mini-BHKW aber auch eine stromerzeugende Brennwertheizung, die auch Erträge erzielt." 

Eine große Bedeutung misst Bepperling der neuen Technologie nicht nur als Alternative beim Heizungsaustausch für Privatleute oder Kleinunternehmen zu, sondern vor allem im gesamten Konzept der Energieversorgung Herborns: "Die Energieversorgung von morgen ist dezentral.

Das bedeutet, dass wir neben großen Kraftwerken auf die bedarfsgerechte Energieerzeugung in kleinen Einheiten wie BHKWs oder Photovoltaikanlagen setzen. So wird der an einem Ort benötigte Strom auch dort produziert. Das spart Transportkapazitäten und reduziert Verluste."

"Mit unserer Solarkooperation, die wir mit der Stadt vereinbart haben, haben wir einen wichtigen Schritt zu einer modernen Energieversorgung getan." Im Rahmen dieser Kooperation wurden bisher sechs Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 125 000 Kilowattstunden pro Jahr aus Sonnenenergie auf den Dachflächen öffentlicher Gebäude installiert. "Die Bedeutung der Technologie eines Mini-BHKW ist für die Zukunft der Energieversorgung ähnlich hoch einzuschätzen", glaubt der Stadtwerke-Geschäftsführer.