Informationen zu Post-EEG-Anlagen

 

Wenn die Photovoltaik-Anlage bis zum 31.12.2000 in Betrieb genommen wurde, ist zum 31. Dezember 2020 die Förderung gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ausgelaufen. Das bedeutet: Nach dann 20 Jahren gibt es die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung nicht mehr. Wie es jetzt weitergeht, wurde in der EEG-Novelle 2021 geregelt.

EEG-Novelle 2021

Am 17. Dezember 2020 wurde die EEG-Novelle 2021 als Gesetzesentwurf im Bundestag verabschiedet – und bereits zum 1. Januar 2021 ist die neue Fassung des EEG in Kraft getreten. Sehr lange wurde verhandelt und viele wichtige Punkte lagen bis zum Schluss im Ungewissen, so dass sich kurzfristig noch einige Änderungen ergeben haben.
Insgesamt gibt es – technisch gesehen – nach Ablauf der EEG-Förderung folgende Möglichkeiten, die Post-EEG-Photovoltaikanlage weiter zu nutzen:

  1. Volleinspeisung (wie gehabt)
  2. Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung (Optional: zusätzliche Nutzung von Speichern oder steuerbaren Verbrauchern) oder vollständiger Eigenverbrauch ohne Netzeinspeisung
  3. Sonstige Direktvermarktung
    Aus der neuen EEG-Novelle ergeben sich folgende Rahmenbedingungen für die unterschiedlichen Anschlusslösungen, die sich auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebs der PV-Anlage auswirken.

Volleinspeisung

Als Betreiber einer kleinen PV-Anlage kleiner 100 kWp kann der erzeugte Strom wie bisher dem lokalen Netzbetreiber zur Verfügung gestellt werden. Aber Achtung: Es handelt sich dabei um eine befristete Anschlusslösung. Die Frist endet Ende 2027. Mit dieser Lösung wird ein „wildes Einspeisen“ der produzierten Strommengen verhindert. Die Einspeisevergütung wird deutlich niedriger als bisher ausfallen und orientiert sich am Börsenstrompreis (bzw. dem sogenannten „Jahresmarktwert Solar“).

Was bedeutet das für den Anlagenbetreiber?

Falls die Anlage bisher zur Volleinspeisung betrieben wurde und die Anlage bis 2027 aus der Förderung fällt, gibt es mit dieser Variante erstmal keine Umrüstungskosten und die Anlage kann wie gehabt weiter betrieben werden. Damit reagiert der Gesetzgeber auf die Problematik, dass die „Sonstige Direktvermarktung“ für kleine Anlagen als unwirtschaftlich eingeschätzt wird.

Wie lange gilt die Anschlusslösung zur Volleinspeisung?

Die Anschlusslösung ist befristet bis Ende 2027 gültig, danach kann es andere Anforderungen an die Anlage und den Weiterbetrieb geben.

Was muss getan werden, um die Anschlusslösung des Gesetzgebers zu nutzen?

Dazu muss man nicht aktiv werden, die PV-Anlage wird automatisch nach Förderende in die neugeschaffene Vermarktungsform übernommen. Es kann sein, dass der Netzbetreiber sich meldet.

Wie hoch ist die Vergütung für den eingespeisten Strom?

Für den eingespeisten Strom erhält man eine deutlich reduzierte Einspeisevergütung, die sich am Börsenpreis orientiert. Berechnet wird die Vergütung aus dem „Jahresmarktwert Solar“ (https://www.netztransparenz.de/EEG/Marktpraemie/Marktwerte), einem monatlich durchschnittlich erzielten Strompreis an der Börse, abzüglich einer Vermarktungspauschale, die im Jahr 2021 mit 0,4 ct/kWh angesetzt ist und ab 2022 vom Übertragungsnetzbetreiber als Vermarktungskosten ermittelt wird. Es kann mit einer Vergütung in der Höhe von 2 - 4 ct/kWh gerechnet werden.

Gibt es weitere technische Anforderungen?

  • Anlagen kleiner 7 kWp, die aus der Förderung fallen und die neu geschaffene reduzierte Eispeisevergütung in Anspruch nehmen, können bis auf weiteres ihre bisherige Messtechnik verwenden.
  • Anlagen ab einer Größe von 7 kW sind zum Einbau eines intelligenten Messsystem (iMS) verpflichtet, sobald es dafür eine Markterklärung nach Messstellenbetriebsgesetz (MsBG) gibt.
  • Ist bereits ein iMS verbaut, auch bei Freiwilligkeit, sind Nachrüstungen nach BSI Markterklärung zu Steuerungs- und Kommunikationsanbindung erforderlich.

Muss die anteilige EEG-Umlage auf den eigenverbrauchten Strom gezahlt werden?

Bis zu einer Anlagengröße von 30 kWp und 30 MWh Eigenverbrauch pro Jahr sind ausgeförderte Anlagen von der Pflicht der anteiligen EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch befreit. Demnach entfällt auch die Verpflichtung zur Installation eines zusätzlichen Erzeugungszählers.

Umrüstung auf Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung

Bei der Umrüstung auf Eigenverbrauch kann ein Teil des erzeugten Solarstroms selbst genutzt werden, wenn die Erzeugung gleichzeitig zum Stromverbrauch stattfindet. Der restliche Solarstrom, der nicht direkt verbraucht werden kann, wird ins Stromnetz eingespeist.

Entgegen der politischen Diskussionen aus dem Referenten-Entwurf wird der Eigenverbrauch vorerst ohne den Einbau eines intelligenten Messsystems (iMS) möglich sein und auch die anteilige EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch wird nicht fällig. Auf diese Weise wird die Umrüstung auf Eigenverbrauch oftmals die wirtschaftlichste Variante des Weiterbetriebs darstellen.

Die Wirtschaftlichkeit ergibt sich zum einen aus den Kosten für die Umstellung des Messkonzepts (von Volleinspeisung auf Eigenverbrauch) im Vergleich zu den eingesparten Stromkosten. Die Umrüstungskosten ergeben sich aus den Bedingungen des Zählerschrankes vor Ort und können am besten durch einen Solarteur bzw. Elektroinstallateur und den zuständigen Netzbetreiber ermittelt werden. Diese Kosten fallen jedoch nur einmalig an und stehen den jährlich steigenden Stromkosten gegenüber, die durch den Eigenverbrauch eingespart werden können. Die Höhe des Eigenverbrauchanteils ergibt sich aus der Leistung der PV-Anlage und dem Verbrauchprofil. Man geht von ca. 15 – 30 % eingesparten Stromkosten aus.

Was ist zusätzlich zu beachten?

Ab einer PV-Leistung von 7 kWp soll dieses Jahr im Zuge des Smart-Meter-Rollouts ein intelligentes Messsystem (iMS) – unabhängig von der Betriebsart der PV-Anlage – verpflichtend werden. Insgesamt ergeben sich durch ein iMS, auch beim freiwilligen Einbau, erforderliche Nachrüstungen nach BSI-Markterklärung zur Steuerungs- und Kommunikationsanbindung.

Außerdem hat der Gesetzgeber sich die Möglichkeit offengehalten, entsprechende Anforderungen auch nachträglich vorzuschreiben. Vorerst ist aber keine technische Umrüstung erforderlich, d. h., der bestehende Einspeisezähler wird bei Umrüstung auf Eigenverbrauch lediglich durch eine Moderne Messeinrichtung mit 2-Wege-Zählung (Bezug und Einspeisung) ersetzt. Die technischen Vorgaben hinsichtlich des iMS werden noch auf die wirtschaftliche Umsetzung geprüft.

Was ist ein intelligentes Messsystem?

Ein intelligentes Messsystem misst alle 15 Minuten die Menge der eingespeisten Energie. Die dabei entstehenden Kosten, die der Netzbetreiber weitergeben wird, hängen von der Anlagengröße ab. Für eine Anlage mit einer Leistung von 7 - 15 kWp können für ein intelligentes Messsystem je nach Aufwand etwa 100 Euro pro Jahr anfallen.

Zusätzliche Nutzung von Stromspeichern

Der Eigenverbrauchsanteil einer Post-EEG-Photovoltaik-Anlage soll erhöht und mehr Stromkosten gespart werden? Dann ist es sinnvoll, einen Stromspeicher einzubinden. Hierbei gelten für den Eigenverbrauch die gleichen gesetzlichen Regelungen; hinzu kommen die Installationskosten für einen Speicher.

Sonstige Direktvermarktung

Die dritte Möglichkeit der Anschlusslösung ist die „Sonstige Direktvermarktung“. Wenn ein Abnehmer für den Solarstrom (Direktvermarkter) gefunden ist, stehen zwei Optionen offen:
Volleinspeisung: Der gesamte von der Post-EEG-Photovoltaikanlage produzierte Strom wird eingespeist.
Überschusseinspeisung: Es wird nur der Strom eingespeist, der vom Anlagenbetreiber nicht selbst verbraucht wird.

Was bedeutet das für den Anlagenbetreiber?

Bei der Volleinspeisung sind für Anlagen, die kleiner 100 kWp sind, vorerst keine zusätzlichen messtechnischen Anforderungen erforderlich. Somit besteht kein direkter Umrüstungsaufwand. Innerhalb von 5 Jahren muss jedoch ein intelligentes Messsystem eingebaut werden lassen, wobei ebenfalls eine stufenlose Fernsteuerbarkeit benötigt wird.

Bei der Überschusseinspeisung muss eine stufenlose Fernsteuerbarkeit gewährleistet sein. Außerdem muss bis spätestens 2027 wie im Falle der Umrüstung auf Eigenverbrauch ein intelligentes Messsystem oder ein RLM-Zähler eingebaut werden (RLM steht für Registrierende Leistungsmessung). Hierbei können hohe Umrüstungskosten anfallen, zudem muss ab einer Anlagenleistung von 30 kWp noch die 40 % EEG-Umlage für den eigenverbrauchten Strom gezahlt werden.

Die Sonstige Direktvermarktung ist nach dem Entwurf aktuell hauptsächlich eine Option für:

  • Volleinspeiser,
  • Anlagen größer als 100 kWp,
  • Anlagen, die bereits über die technischen Anforderungen verfügen.

Kleinere Post-EEG-Photovoltaikanlagen besitzen meist nicht die technischen Voraussetzungen für die Direktvermarktung und eine Umrüstung ist in vielen Fällen unwirtschaftlich. Für sie ist die Einspeisevergütung durch Volleinspeisung oder die Umrüstung auf Eigenverbrauch aktuell die beste Option.

Fazit

Das EEG ermöglicht den Anlagenbetreibern durch die Anschlusslösung in den meisten Fällen einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb der Anlage. Die Entscheidung für eine Umrüstung auf Eigenverbrauch kann aktuell ohne zusätzliche technische Anforderungen umgesetzt werden.

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